Wo Licht auf Papier trifft: Der Druck von Sacred Place
Hinter ihm leuchten die Fotografien – lebendig, farbintensiv, fast neonartig. Vor mir sitzt Balarama Heller, der mich mit einem warmen „Schön, dich wiederzusehen“ begrüßt.
Schon bei unserem ersten Treffen fiel mir seine Offenheit auf – freundlich, nahbar, mit einem Blick, der aufmerksam und zugleich ruhig wirkte. Die visuelle Kraft seiner Bilder hatte mich sofort gepackt. Ich wollte mehr wissen: über ihn, über seine Arbeit und über seine Erfahrung bei uns.
Als ich ihn um ein Gespräch bat, sagte er sofort zu.
Der Besuch
Am 21. Juli besuchte Balarama Heller gemeinsam mit Nelson Chan und Carl Wooley von TIS Books unsere Druckerei – ein echter Meilenstein für ihn: sein erstes Buchprojekt im Offsetdruck. Und das nicht in klassischem CMYK, sondern in unserer anspruchsvollen Spectra7-Technik auf einer Achtfarbenmaschine – eine komplexe, farbintensive Produktion.
Heller hatte bereits von uns gehört, unter anderem durch Bruno von MACK Books. Ganz seinem Wesen entsprechend kam er bestens vorbereitet: er hatte gelesen, recherchiert, Fragen gestellt. Er wollte mit einem sicheren Gefühl in den Prozess gehen – aber ohne sich vor Überraschungen zu verschließen.
Gedanken zum Druckprozess
Offsetdruck war für ihn Neuland. Er hatte sich Rat bei Künstlerkolleg*innen geholt, sich innerlich vorbereitet – und dennoch lief vieles anders als gedacht.
„Ich war überrascht, wie kollaborativ und offen der Prozess war – viel weniger einschüchternd, als ich es erwartet hatte. Es fühlte sich an wie ein Masterkurs im Offsetdruck.“
Mit großer Wertschätzung sprach er über das, was in der Druckhalle geschieht: das Können der Drucker, das sensible Zusammenspiel unzähliger Faktoren, die ständigen Entscheidungen und Kompromisse, bei denen alles ineinandergreift. Als Künstler ist er es gewohnt, Entscheidungen allein zu treffen. Hier waren Vertrauen, Zusammenarbeit und gemeinsames Lernen gefragt.
„Es war definitiv eines meiner künstlerischen Highlights.“
Eindrücke
Am stärksten beeindruckt hat Balarama Heller die Atmosphäre: warm, offen, geprägt von echter Hingabe – und von einem Miteinander über Generationen hinweg. Herausforderungen wurden nicht beschönigt, sondern gemeinsam und transparent angegangen.
Besonders erwähnte er Harald Longos Offenheit im Umgang mit einer technischen Schwierigkeit. Anstatt abzulenken, suchte Harald aktiv nach Lösungen – mit Ruhe, Forschung und im Dialog. Für Heller war das unerwartet und gleichzeitig ein starkes Zeichen des Respekts.
„Es gab keine Show, kein So-tun-als-ob – alles war transparent. Und genau das hat Vertrauen geschaffen.“
Dieses Vertrauen ließ ihn sich gesehen fühlen – nicht nur als Mitwirkender, sondern als Künstler. Seine Perspektive zählte. Seine Fragen wurden ernst genommen. Und seine Begeisterung für das Handwerk, für die Menschen dahinter und für den Prozess selbst war spürbar – und ansteckend.
Sacred Place
Sacred Place ist vielleicht Balarama Hellers persönlichstes Werk – zutiefst autobiografisch. Aufgewachsen in der Hare-Krishna-Bewegung, reiste er für dieses Projekt zurück nach Indien, um Pilgerfahrten zu dokumentieren – in einem Spannungsfeld zwischen Materie und Spiritualität, Ritual und universeller Zugänglichkeit.
Das Buch kreist um Wahrnehmung, Wahrheit und archetypische Bilder, die trotz spiritueller Verwurzelung offen für jede*n bleiben. Die Fotografien ziehen in ihren Bann – schön, aber nicht sofort lesbar. Sie bewegen sich zwischen Abbild und Abstraktion und schaffen einen Raum jenseits des Sichtbaren: einen „extraordinary space“.
Technik & Ästhetik
Auch technisch war das Projekt anspruchsvoll: Die Referenzdrucke auf glänzendem Papier mussten auf ein weiches, mattes Material übertragen werden. Farben, die zunächst „falsch“ wirkten, ergaben mit der Zeit eine eigene innere Logik.
„Wenn ich es noch einmal machen würde, würde ich anderes Referenzpapier wählen“, sagte er – nicht enttäuscht, sondern mit echtem Lerninteresse.
Das Papier selbst hatte er bewusst gewählt, inspiriert durch das Buch eines Freundes. Er ist mit dessen Haptik und dem visuellen Ergebnis sehr zufrieden. Trotzdem war Feinarbeit nötig: Wir mussten sieben Druckplatten neu erstellen, das Gummituch wechseln und das Raster anpassen – aber wir haben es geschafft.
Eine besondere Rolle spielte die Farbe Rot – nicht nur emotional, sondern auch technisch. Inspiriert vom astrophysikalischen Phänomen des Redshifts – Licht, das durch Raum und Zeit reist – wurde Rot zur zentralen Farbe des Buches.
Statt klassischem Magenta kam Rhodaminrot zum Einsatz, um den Farbraum gezielt zu erweitern und die Tiefe des Tons auszureizen.
Künstlerischer Zugang & Entwicklung
„Es geht nicht darum, dass Menschen etwas Neues glauben sollen – sondern darum, wie wir auf das Universum schauen.“
Dieser Satz bringt Balarama Hellers künstlerische Haltung auf den Punkt. Seine Arbeit ist nicht belehrend, sondern suchend. Sie will Brücken schlagen – zwischen dem wissenschaftlich Greifbaren und dem Spirituellen, zwischen Verstand und Intuition.
Selbst Motive, die auf den ersten Blick beängstigend wirken könnten – etwa Schlangen, in vielen Kulturen symbolisch aufgeladen – begegnet er mit ästhetischer Offenheit:
„Ich möchte, dass Menschen sich mit Dingen beschäftigen, die ihnen vielleicht zunächst Unbehagen bereiten – und darin dann Schönheit entdecken.“
Diese Haltung prägt auch seine künstlerische Entwicklung. Ursprünglich geprägt von der klassischen Schwarz-Weiß-Dokumentarfotografie im Stil von Magnum, wandte er sich mit der Zeit von der reinen Beobachtung ab – hin zu Farbe, Abstraktion und einem intuitiveren Blick. Seine Arbeit zeigt nicht nur die Welt – sie tritt mit ihr in Verbindung.
„Es war wie Alchemie – echte Magie, an der ich teilnehmen durfte.“
Schlussgedanken
Für mich ist Balarama Heller nicht nur Künstler, sondern auch ein Wissenschaftler im Herzen: neugierig, aufmerksam, wissbegierig – und immer bereit, das Gelernte zu teilen. Seine Arbeit hat mich von Anfang an fasziniert.
Was mich aber am meisten beeindruckt hat, ist sein Wunsch, das Ganze sichtbar zu machen. Dinge zu erklären, Zusammenhänge aufzuzeigen, das Unsichtbare greifbar zu machen – durch und über seine Kunst hinaus.
Danke, Balarama, für dieses bereichernde Gespräch. Endlich können wir dein Buch in den Händen halten.