SCISCIORÉ: Wenn Design aus den Alpen in Mailand sichtbar wird
Was haben ein Stickeralbum, 110 Designobjekte und das ADI Design Museum in Mailand gemeinsam? Auf den ersten Blick nicht viel. Doch genau daraus entsteht die besondere Kraft von SCISCIORÉ. Il gioco come gesto alpino. Die von Anna Quinz kuratierte Ausstellung zeigt, wie vielfältig, überraschend und international Design aus Trentino-Südtirol sein kann. Statt bekannte Klischees zu bedienen, erzählt sie von Kreativität, Experimentierfreude und einer Region, die weit mehr hervorbringt als beeindruckende Berglandschaften. Wir waren bei der Eröffnung dabei und durften mit dem begleitenden Stickeralbum einen kleinen Teil dieser Geschichte mitgestalten.
Am 21. Mai waren wir bei der Eröffnung von SCISCIORÉ. Il gioco come gesto alpino im ADI Design Museum in Mailand dabei. Die von Anna Quinz kuratierte Ausstellung erzählt die Geschichte des Designs aus Trentino-Südtirol auf eine überraschende und zugleich spielerische Weise.
110 Objekte, entstanden aus den Köpfen von Designerinnen und Designern mit Wurzeln in unserer Region, zeigen, wie vielfältig, innovativ und international Design aus den Alpen sein kann. Manche Namen kennt man sofort, andere entdeckt man vielleicht zum ersten Mal. Gemeinsam erzählen sie eine Geschichte, die weit über die üblichen Bilder von Bergen, Tradition und Tourismus hinausgeht.
Ein anderes Bild von Südtirol
Südtirol und Trentino werden oft mit beeindruckenden Landschaften, Handwerk und Tradition verbunden. All das gehört zu unserer Identität. Gleichzeitig gibt es hier seit Jahrzehnten Menschen, die gestalten, experimentieren, forschen und neue Ideen entwickeln.
Genau diesen Aspekt macht SCISCIORÉ sichtbar.
Der Titel der Ausstellung verweist auf ein ladinisches Wort für das Murmelspiel. Das Spiel dient dabei nicht nur als Thema, sondern als Haltung: als Offenheit für neue Perspektiven, als Freude am Ausprobieren und als Fähigkeit, Bekanntes neu zu denken.
Kuratiert von Anna Quinz und realisiert von franzLAB versammelt die Ausstellung historische Objekte, Designklassiker, aktuelle Produkte und Prototypen. In zehn thematischen Bereichen – von Naturalia über Girotondo bis Equilibrismi – entsteht ein Panorama, das zeigt, wie eng Tradition und Innovation miteinander verbunden sein können.
Ein Abend voller Begegnungen
Besonders schön war für uns die Eröffnung mitzuerleben. Viele Designerinnen und Designer, die ihre Wurzeln in Südtirol oder Trentino haben, kamen zusammen – auch jene, die heute in anderen Städten und Ländern leben und arbeiten.
Es war ein Abend voller Gespräche, Wiedersehen und neuer Begegnungen. Vor allem aber war es ein Moment, der sichtbar machte, wie viel kreatives Potenzial aus einer vergleichsweise kleinen Region hervorgegangen ist.
Immer wieder entstand derselbe Gedanke: „Wirklich? Das kommt von hier?“
Genau diese Überraschung macht den Wert der Ausstellung aus.
Ein Stickeralbum für Design
Als Anna Quinz uns von der Idee hinter SCISCIORÉ erzählte, war schnell klar, warum uns das Projekt begeistert. Nicht nur wegen des ungewöhnlichen Konzepts, sondern auch wegen der Geschichte, die dahintersteht.
Die Ausstellung zeigt ein Südtirol und Trentino, das oft weniger sichtbar ist: ein kreatives, neugieriges und experimentierfreudiges Umfeld, in dem Menschen neue Ideen entwickeln und Gestaltung als Teil der Kultur verstehen. Eine Perspektive, mit der wir uns als Unternehmen gut identifizieren können.
Deshalb ist es auch kein Zufall, dass die begleitende Publikation die Idee des Spiels aufgreift. Statt eines klassischen Ausstellungskatalogs entstand ein Stickeralbum mit 110 Sammelstickern – inspiriert von den bekannten Fußball-Stickeralben vieler Kindheitserinnerungen.
Die Sticker orientieren sich bewusst an den Formaten klassischer Panini-Sammelbilder und laden dazu ein, die ausgestellten Objekte zu entdecken, zu sammeln und einzuordnen. Damit wird Design nicht nur betrachtet, sondern aktiv erlebt.
Die Idee des Albums bringt den Gedanken von Il gioco come gesto alpino perfekt auf den Punkt. Spielen bedeutet hier nicht Oberflächlichkeit, sondern Neugier, Entdeckung und die Freiheit, neue Verbindungen herzustellen. Genau diese Haltung prägt auch viele der gezeigten Designobjekte.
Von der Idee zum gedruckten Objekt
Album und Sticker wurden vollständig bei uns im Haus produziert. Das Album entstand im Offsetdruck auf Werkdruckpapier, die Sticker auf einer weißen Klebefolie, wie man sie von klassischen Sammelstickern kennt.
Eine der Herausforderungen bestand darin, zwei sehr unterschiedliche Materialien optisch zusammenzubringen. Werkdruckpapier und Klebefolie reagieren unterschiedlich auf Farbe, wodurch sich die Wiedergabe der Motive verändert. Gleichzeitig war ein gewisser Unterschied Teil des Konzepts.
Gedruckt, geschnitten, konfektioniert und geheftet wurde alles in unserem Haus. Umso schöner war es zu sehen, wie stimmig das Ergebnis am Ende geworden ist und wie konsequent die Idee des Spiels bis ins letzte Detail weitergedacht wurde.
Ein kreatives Südtirol sichtbar machen
Was uns an SCISCIORÉ besonders begeistert, ist die Perspektive auf Südtirol und Trentino, die hier sichtbar wird.
Eine Region, die ihre Traditionen kennt, aber nicht darin stehen bleibt. Eine Region, die neugierig ist. Die gestaltet, experimentiert und Innovation hervorbringt. Eine Region, deren kreative Szene weit über ihre geografischen Grenzen hinaus wirkt.
Genau diesem Südtirol und Trentino gibt franzLAB seit Jahren eine Bühne. Und genau deshalb passt die Ausstellung so gut nach Mailand – an einen Ort, an dem Design täglich neu gedacht und diskutiert wird.
Vielleicht ist genau das die schönste Botschaft von SCISCIORÉ: Wer spielt, betrachtet die Welt mit Neugier. Und wer neugierig bleibt, entdeckt selbst in einer kleinen Region immer wieder neue Ideen, neue Perspektiven und neue Geschichten.
SCISCIORÉ erzählt von einem Südtirol und Trentino, das nicht immer im Mittelpunkt steht: offen, kreativ, experimentierfreudig und voller guter Ideen. Umso schöner, wenn diese Geschichten einen Platz bekommen – und sichtbar werden.
SCISCIORÉ. Il gioco come gesto alpino
ADI Design Museum, Mailand
22. Mai – 28. Juni 2026
Ein Projekt von franzLAB
Kuratiert von Anna Quinz
Ausstellungsdesign: insalata-mista studio
Grafik: Anna Quinz und Gabi Veit
Visual: Lucas Zanotto